Geber und Geberinnen

Wer ist eine Geberin oder ein Geber?

Wenn du ein Geber oder eine Geberin bist, dann bietest du etwas an. Im Alltag sind die meisten von uns Menschen auch Nehmer – schließlich hat jeder von uns auch Wünsche an andere. Ein ausgeprägtes Geber-Verhalten zeigt sich darin, dass du deine Angebote in irgendeiner Form, „öffentlich machst“ und dich als „verfügbar“ anpreist. Allerdings erwartest du, dass deine Künste, Dienste, Emotionen oder Fähigkeiten auch nachgefragt werden. Ist dies nicht der Fall, dann bist du enttäuscht. Konkret: Das Glücksgefühl, das du beim Geben erwartest, bleibt aus. Das kann auch der Fall ein, wenn offensichtlich ist, dass du als „Geber“ einen ungewöhnlich hohen emotionalen Gewinn erwartest, beispielsweise unendliche Dankbarkeit. Sobald Menschen feststellen, dass „dein Preis zu hoch ist“ werden sie dich meiden. Das gilt auch dann, wenn sie in einer „emotionalen Währung“ bezahlen sollen, über die sie kaum verfügen. Manche Geber und Geberinnen schweben in der Gefahr, emotional ausgeblutet zu werden. Der Satz „Ich hatte so viel Emotionen in diese Beziehung investiert und gehofft …“ ist ein Beispiel dafür. Die Psychologie kennt außerdem den Begriff „Helfersyndrom“ für Menschen, die sich beim „Geben“ aufopfern.

Sehr einfach formuliert signalisiert ein Geber oder eine Geberin der Umgebung:

„Wie kann ich den Menschen mit meinen Fähigkeiten oder Eigenschaften nützen?“

Was machen Geber(innen) anders als andere Menschen?

Geber(innen) wissen im Unterschied zu den meisten anderen Menschen, welche Gaben sie besitzen und wie andere davon profitiere können. An diesen Gaben lassen sie andere teilhaben – mal ohne jegliche Verpflichtung und mal innerhalb eines Tauschgeschäfts. Für bestimmte Geber(innen) ist es unerlässlich, dafür einen Geldbetrag zu verlangen.

Solange Geber über ausreichende Ressourcen verfügen, geben sie gerne. Werden die Ressourcen knapp, dann reduzieren sie ihre Hilfsangebote.

Da ist sowohl ökonomisch wie auch ethisch richtig: Die wertvollste Ressource aller Geber ist – unabhängig von ihrer Aufgabe – die Zeit. Wer keine Zeit (mehr) entbehren kann, wird kaum noch weitere Hilfen anbieten.

Besonders schnell können Emotionen aufgebraucht sein – vor allem, wenn „echte“ oder „authentische“ Emotionen gefördert werden. Die Geber schützen sich auf vielfältige Weise davor. Zum Beispiel, indem sie Empathie durch eine besondere Art der Gesprächsführung ersetzen. Wenn ich das in einem Satz erklären soll, dann ist es dieser:

Der Klient eines Gebers darf nicht erwarten, dass dieser Betroffenheit zeigt. Er kann aber erwarten, dass die Gesprächsführung dazu beiträgt, dass er sich „angenommen“ fühlt.

Gelegentlich handeln Geber auch wie Schauspieler – sie spielen die Rolle einer Person, die sie sonst nicht sind. Solange keine Betrugsabsicht dahintersteht und die Rolle zum Geber passt.

Auch wenn kein Geld verlangt wird, kann es sein, dass die Hilfe mit irgendjemandem abgerechnet wird, der dies stellvertretend für den Klienten tut, also etwas Kommunen oder Versicherungen.

Handelt ein Geber nicht aus professionellen oder monetären Interessen, dann gibt ihm das Geben eine Art Glücksgefühl. Beispiele für solche Möglichkeiten wären:

  • Verstärken der Selbsthilfe.
  • Alternative Wege zum gewünschten Ziel zu nennen.
  • Zuhören und Verstehen.
  • Emotional teilzuhaben.
  • Etwas genau zu erklären.
  • - Jemandem einen Liebesdienst erweisen.
  • - Einem Menschen den Weg ebnen.
  • Ziele und Absichten zu klären.

Ich denke, das sind genug Beispiel, aber selbstverständlich gibt es noch viel mehr Möglichkeiten.

Wie weit sich Geber „engagieren“, entscheiden sie ausschließlich selbst. Jeder, der einem Geber gegenübertritt, sollte dies wissen. Zudem leisten die weitaus meisten nicht professionellen Geber(innen) eine Art „Hilfe zur Selbsthilfe.

Die Stufen des Gebens

Die Möglichkeit, etwas zu geben, ist erlernt. Sie gilt als Verhalten, gelegentlich auch als Rolle. Teilt man das Geben in Stufen ein, so ergeben sich Steigerungen:

  1. Anbieten.
  2. Empfehlen.
  3. Unterstützen.
  4. Anraten.
  5. Aufdrängen.
  6. Aufzwingen.
  7. Bevormunden, Betrügen, Dark Traits. (1)

Die Stufen 1 - 3 gehören zum persönlichen und sozialen Alltagsleben, die Stufe 4 ist realtiv neutral, wähernd die Stufen 5 - 7 als problematisch und mögliicherweise betrügerisch gelten.

Geben, Schenken, Gewinnen und Verlieren

Die meisten Geber erwarten, dass ihre Eigenschaften wertvoll für andere Menschen sind. Das kann zutreffen oder auch nicht, aber diese Sätze gelten als typisch für Geber:

  1. Ich biete mich an, weil ich Freude an Gesprächen mit anderen Menschen habe.
  2. Ich habe viele Eigenschaften, die für andere von Nutzen sein können.
  3. Ich habe Freude daran, andere zu unterstützenoder oder ihnen zu helfen.
  4. Das, was ich im Überfluss habe (auch Emotionen), teile ich gerne mit anderen.

Viele Geber haben eien ganz andere Antwort, die man Intrinsische Motivation nennt. Auf die Frage, warum sie Geber sind, werden sie möglicherweise antworten: „Weil es mich interessiert“ oder „weil ich Lust dazu habe“.

Angebote, Erfolge und Scheitern

Dazu habe ich Beispiele, warum es nicht immer einfach ist, Abnehmer für deine Waren, Dienstleistungen, Hilfen, Emotionen oder andere Eigenschaften zu finden.

Allgemein: Wenn du etwas anbietest, dann erwartest du, dass es einen Markt dafür gibt. Das ist allerdings nicht selbstverständlich. Manchmal gibt es ein Überangebot, dann bieten die Geber ihre Dienste vergeblich an. Gibt es hingegen einen Mangel, dann verteuert sich auch die Hilfe der Geber oder die Wartezeiten werden länger.

Anbieten: Du bietest etwas an, was andere gebrauchen könnten. Dabei legst du den Preis fest. Waren werden in der Regel mit Geld bezahlt, aber viele deiner Leistungen oder Fähigkeiten sind für andere „kostenlos“. Welchen emotionalen Gewinn erwartest du von deinen Ratschlägen und anderen Leistungen, die du erbringst? Überlege dir gut, was dich glücklich macht – ist es ein Dank oder reicht dir die Erfahrung, dass andere Erfolg mit deinem Rat hatten?

Emotionskonto stabil halten: Dein Emotionskonto füllt sich, wenn du beim Geben glücklich bist. Es kann sich aber auch schnell entleeren, wenn du übermäßig viel gibst. Mehrere „kleine“ aber wirksame Gaben helfen dir, dein Emotionskonto stabil zu halten. Besonders großzügige oder intensive Gaben können es jedoch ebenso schnell schmälern.

Partnersuche: In diesem Fall nimmst du beide Rollen an. Du bist also Geber(in) und Nehmer(in) zugleich. Wenn du (als „Geber“) weißt, welche Nehmereigenschaften du hast, kannst du leicht einen Ausgleich der Interessen erzielen. Das bedeutet für dich, einen Vorteil gegenüber allen anderen Bewerberinnen oder Bewerbern zu haben.

Menge oder Anzahl: Das Wichtigste beim Austausch von Emotionen ist, dass sie in dir nachwirken. Geber haben einen Nachteil: Sie wissen oft nicht, ob ihr Rat, ihre Tat oder das intensive Kümmern um die Belange anderer einen Erfolg zeigte. Daher ist es Empfehlenswert, mehrere kleine, überschaubare „Geber-Projekte“ anzunehmen als ein großes, in das du alle Hoffnungen legst.

Generelle Regel: Gezielt anbieten führt zum Erfolg.

Damit du weder in Anfragen „ertrinkst“ noch „leer ausgehst“, sprichst du am besten Menschen an, die an einigen wenigen, aber wichtigen Eigenschaft von dir interessiert sind. Wenn du Eigenschaft nennst, die von vielen gesucht werden, bekommst du zu viele Angebote. Falls du jedoch Eigenschaften wählst, die selten genannt werden, bekommst du wenige, dafür aber meistens besser Angebote.

Die meisten „Geber“ wissen sehr genau, was sie wirklich „aus vollem Herzen“ geben können – und sie wissen auch, was ihnen schwerfällt. Aus diesem Grund sind Geber oft nicht bereit, „Ausgleicher“ zu werden. Wenn jemand etwas anbietet, ist dies schon eine Auswahl seiner Möglichkeiten. Der „Tauschhandel“ hat für Geber dann einen Sinn, wenn die andere Person Eigenschaften anbietet, die auch dem Geber von großem Nutzen ist.

Die folgenden Sätze werden nicht ausgesprochen, laufen aber dabei im Kopf ab:

  • „Meine Eigenschaft, die ich für ausgesprochen wichtig halte, wird (von ihr, ihm) kaum benötigt, aber eine andere Eigenschaft an mir schätzt er/sie sehr.
  • „Zwar schätzt sie/er meine Haupteigenschaft nicht sehr hoch ein, aber dafür hat er/sie selber eine Eigenschaft, die ich selber an ihm/ihr schätze. Wenn ich dies abwäge, ist er/sie eine gute Wahl.“
  • „Ich bin froh, wenn andere wenigstens eine Eigenschaft an mir schätzen und ich sehe einen Gewinn darin, wenn sie meine Vorschläge annehmen.“

Zeit für eine Schlussfolgerung zu „Gebern“

Der Vorteil beim Geber ist, von vornherein keine Forderungen anzukündigen, sondern ihre/seine Eigenschaft offenzulegen. Sie sind so zu sagen ihre/seine Köder an der Angel. Wenn jemand „anbeißt“, heißt dies noch nicht, dass nun ein Kauf, ein Vertrag, eine Begegnung oder Beziehung zustande kommt. Denn noch können sich beide Partner(innen) anders entscheiden.

  1. Versuche, dich als Geber „öffentlich“ zu machen. Wenn niemand weiß, was du zu anderen geben kannst, bleibst du auf deinen guten Eigenschaften „sitzen“.
  2. Manchmal gibt es zu viele Geber auf einem Gebiet. In diesem Fall kannst du versuchen, andere Angebote in den Vordergrund zu stellen, um einen (emotionalen) Gewinn daraus zu ziehen.
  3. Wenn es zu wenige Geber gibt, kann es sein, dass man dich bedrängt, mehr zu leisten als dir möglich ist. In diesem Fall wirst du die Nachfragen der Nehmer ablehnen müssen.
  4. Nicht alle Menschen erweisen sich als „dankbar“ für das, was du gegeben hast. Es ist oft besser, keinen Dank zu erwarten – der Erfolg ist bereits ein emotionaler Gewinn.
  5. Jeder Anbieter (Geber) muss damit rechnen, angegriffen zu werden. Es gibt immer Menschen, die unzufrieden mit deinem Rat oder deinen Taten sind – es ist nicht dein Fehler.

Fragen und Antworten

Hier werden Fragen zum Thema „Geber“ beantwortet. - Vielleicht findest du dich oder deinen Parter / deine Parterin darin wieder.

Wenn du selber jetzt ein Geber werden willst - versuch es einfach: Ich habe kurz zusammengestellt, wie du zum Geber werden kannst.

Ergänzungen und Hinweise

Dark Traits steht für eine Zusammenfassung „negativer“ Persönlichkeitsmerkmale, die auch als Störungen der Persönlichkeit bewertet werden. Die Begriffe stammen aus der Psychologie und heißen dort Narzissmus, Machiavellismus und Soziopathie.



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