Sex gegen VergĂĽnstigungen oder Geschenke - ein Tauschhandel?

Der Austausch von Geld oder Geschenken gegen sexuelle Beziehungen, auch Transaktionssex genannt, gilt weltweit als sexuelles Risikoverhalten.

(Zitat von Wissenschaftler)

Was aus der Sicht veile Wissenschaftler ein „Risikoverhalten“ darstellt, ist für einen Teil der Alltagsmenschen eine Tauschhandlung. Sie entspricht kaum den gängigen ethische Normen - doch sie befinden sich in einem stetigen Wandel.

Sex gegen ... als Forschungsgegenstand

Bei einer groß angelegten Studie der Universität Freiburg (Schweiz) unter 14- bis 25-jährigen wurde festgestellt, dass eine Minderheit durchaus versucht, Sex als Währung einzusetzen. Es geht dabei nach Ansicht der Forscher nicht um Prostitution, sondern um Tauschgeschäfte, die in vielen Varianten existieren, also beispielsweise „Sex gegen Anerkennung“. Gelegentlich geht es dabei aber auch um teure Bekleidungsstücke, technische Geräte (Mobiltelefone) oder andere Artikel, die das Prestige der Person aufwerten. (1,2) Und wieder ist die Frage: Grenzt dies an Prostitution oder nicht?

Für all dies haben die Deutschschweizer eine besondere Bezeichnung: „Tüüschli-Sex“ also Sex als Bezahlung für besondere Formen der Anerkennung.

Der Fokus in dieser Studie lag bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der Sensationscharakter der Pressemeldungen mit Sicht auf eine „verdeckte Empörung“ ist möglicherweise dadurch zu erklären.

(1) Presse Schweiz, 20min

(2) Presse Deutschland, Welt.de

Geld, Geldeswert und andere Tauschmittel als Lohn fĂĽr Sex und Zuwendung

Ein Blick zurück in die Geschichte lehrt, dass es immer eine Art „Graumarkt“ gab, auf dem Sex gegen etwas anderes gehandelt wurde. Aus dem Bereich der Studenten kennen wir das „Bratkartoffelverhältnis“ oder das „Schürzenstipendium“, während aus „guten“ Familien durchaus bekannt wurde, was „eine Verbesserung des Nadelgeldes“ bedeutete. Heutige Singles „holen sich“ ihre Lover nach Hause, um ihre Emotionskonten mit Sex zu füllen – und nicht, um Beziehungen einzugehen. „Friends with Benefits“ sind zwar Freunde, werden aber zugleich als Sexpartner eingesetzt, wenn ein Bedarf besteht. Und „gehandelt“ wird mit allem: Sex ist nun einmal ein starkes Tauschmittel, das oft die Schamgrenze durchbricht.

Sexuelle Beziehungen , bei denen Geld im Spiel ist, werden auch als Transaktionssex bezeichnet.

Die Grundfrage, ob es sich um eine Form von „Sexarbeit“ oder eine besondere „Beziehungen“ handelt, misst sich daran, ob Geld die entscheidende Rolle in der Transaktion spielt. Einige Paare gegen komplizierte Beziehungen ein, weil sie Sex mit anderen Emotionen mischen, und die Motive kennen im Grunde nur die Beteiligten,

Geld als Brautpreis, Geld als Mitgift

Wenn wir genau hinsehen, spielt in der Geschichte der menschlichen Beziehungen oder Ehen Geld oder Geldeswert die eigentlich entscheidende Rolle. Zu manchen Zeiten mussten heiratswillige Bewerber ein „Brautgeld“ bezahlen, um die Tochter eines Gutsherrn zu heiraten (Bibel), in anderen Zeiten musste der Vater eine Mitgift ausloben, um die Tochter zu verheiraten. (Buddenbrooks).

Dabei ist erwähnenswert, dass der „Handel“ gewissermaßen über „den Kopf der Tochter“ abgesprochen wurde - nämlich zwischen dem Vater und dem Ehesuchenden. Dies galt keinefalls als „unehrenhaft“, sondern war das übliche, von der damaligen Ethik gestützte Verfahren.

Andererseits kann der Tauschhandel „Sex gegen …“ auch über die Motive der Geber(innen) definiert werden: Neben Armut und Wohnungsnot stehen dort auch Begierden wie etwa Macht und Reichtum. Selbst wenn solche Motive oft erfolglos sind, so gibt es doch Fälle, in denen Frauen oder Männer damit erfolgreich war.

Das Zusammenspiel von Sex und Emotionen

Ist alles, was zuvor erwähnt wurde,nur „ein weites Feld“, das ohne Bedeutung für den Alltag ist?

Die entscheidende Frag ist, wie leicht es jemandem fällt, Sex zu geben. Berücksichtigt wird dabei, ob „Sex“ bei dieser Person mit zahlreichen anderen Emotionen zusammenspielen muss, oder ob es „eben nur Sex“ ist. Weitere Fragen wären, ob sich die Person dabei „entwertet“ wird oder nicht und wie hoch der Gewinn ist, der der Person winkt, die Sex als Tauschmittel in Erwägung zieht.

Auf Emotionen klebt normalerweise kein Preisschild, und das gilt auch für Sex. Was wieder bedeutet, dass jeder der Beteiligten an solch einer Transaktion klar sein muss, wie seine eigenen Wertvorstellungen den Sex bemessen. Sind sich beide einig und können sie frei darüber entscheiden, dann handelt es sich um einen Tauschhandel. Sind beide damit zufrieden, weil sie dadurch einen Zugewinn erhalten, so hält diese „Transaktion“ auch noch einfachen ethischen Vorstellungen stand.

Sobald allerdings ein Preis in Geld gefordert und akzeptiert wird, handelt es sich nicht mehr um einen „gewöhnlichen Austausch unter Freien und Gleichen“, sondern um eine Art „Kauf“. Solche „Käufe“ sind nicht nur verpönt, sondern in vielen Ländern auch verboten.

Ethische Beurteilungen

Wer im Internet nach der ethischen Beurteilung von „Sex als Tauschmittel“ sucht, wird selten fündig. Normalerweise beurteilen Ethiker den Umgang miteiannder völlig anders als Biologen oder Ökonomen. Ein Zitazt will ich dennoch nennen:

Eines der größten Hindernisse für eine angemessene zeitgemäße Sexualethik (ist) … die im Westen verbreitete Tradition, Geist und Körper zu trennen und nur das eine oder das andere zu betonen.

Margaret Farley, Professorin und Ordensfrau



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